Hund bettelt am Tisch

Mein Hund bettelt am Tisch

Da sitzt er schon wieder am Tisch, während ich esse, und glotzt mich an. Telepatiert MEINE Spaghetti förmlich in SEIN Hundemaul. Geb ich ihm was? Geb ich ihm nix? Will er die Weltherrschaft will er sie nicht? Genau das erklärt Ariane Grigoleit-Pöpke, Leiterin der Hundeschule & Verhaltenstherapie Dogworkz in Berlin, welche Mitglied im IBH sowie der Initiative „trainieren statt dominieren“ ist, im folgenden Artikel:

Wenn Hunde am Tisch betteln…

Jeder kennt das Bild, man sitzt mit seinem Leberwurstbrot am Tisch und möchte in Ruhe zu Abend essen. Aber Bello wird vom Duft der Leberwurst angelockt und nimmt direkt neben uns am Tisch Platz. Ein sabbernder Hundekopf auf dem Schoß gefällt nicht jedem Menschen. Spätestens wenn wir einmal mit Besuch am Tisch sitzen, missfällt uns das Verhalten unseres sonst so heißgeliebten Vierbeiners. Was ist der Grund für dieses unerwünschte betteln am Tisch? Hunde tun Dinge, die sich aus ihrer Sicht lohnen. In den meisten Fällen hatte der Hund schon einmal Erfolg mit seinem Verhalten, weil er vom Tisch gefüttert wurde oder etwas hinunter gefallen ist. Oder man besitzt ein besonders verfressenes Modell Hund, welcher immer wenn etwas Essbares in der Nähe zu finden ist gierig sabbert vor Appetit.

Märchenstunde

Oft wird erzählt, der Hund dürfe nichts vom Tisch bekommen weil :

  • Der ist dominant!
  • Man darf ihn nicht füttern, der Hund bekommt immer erst nach dem Rudelführer sein Essen!

Diese Märchen sind veraltet und haben in der modernen Hundeerziehung nichts verloren. Denn Mensch und Hund bilden kein Rudel, da sie unterschiedlichen Arten angehören. Dominanzbeziehungen kommen aber  nur innerartlich vor.
Die wirklichen Gründe, warum Hunde nichts vom Tisch bekommen sollten sind das für den Menschen störende Verhalten bei Tisch und die Tatsache, dass einige menschliche Speisen für Hunde gesundheitlich gefährlich sein können.

Wie kann man es trainieren nicht am Tisch zu betteln?

Am einfachsten ist es von Beginn an den Hund konsequent nicht vom Tisch zu füttern. Der Hund wird durch den ausbleibenden Erfolg das unerwünschte Verhalten gar nicht erst zeigen. Das Trainieren eines erwünschten Alterativverhaltens über Positive Verstärkung gibt dem Hund die Möglichkeit, erwünschtes erlerntes Verhalten zu zeigen, beispielsweise auf seiner Decke zu liegen während seine Menschen essen.
Auch wenn der Hund bereits am Tisch bettelt, kann man gezielt ein Alternativverhalten trainieren. Wichtig ist, dass der Hund gar nicht mehr vom Tisch gefüttert wird und sich alle Beteiligten daran halten. Ein passendes Alternativverhalten wäre z.B. Hund liegt auf seiner Decke. Der Hund lernt schnell über Positive Verstärkung, wenn das auf der Decke liegen belohnt wird.
Besonders effektiv ist die Arbeit mit Clicker oder Markersignal, mit welchen man das erwünschte Verhalten auch aus einiger Distanz einfangen und dann auf der Decke belohnen kann. Besonders verfressenen Hunden, kann es auch helfen, wenn sie bereits vor oder während der Mahlzeit der Menschen einen kleinen Snack bekommen.
Sollte der Hund Aggression an Ressourcen oder Futter zeigen, sollte das Training durch einen fachlichen guten Trainer begleitet werden!

Empfehlenswerte Hundetrainer die mit Positiver Verstärkung arbeiten findet man bei:
„Trainieren statt dominieren“
CumCane Hundeschulen
IBH Hundeschulen

Liebe Ariane, danke für deinen Gastbeitrag. Auch ich dachte immer, Fiete will die Weltherrschaft. Will er sicher auch – aber nicht indem er mir meine Spaghetti streitig macht. Um diese – für mich – neue Erkenntnis zu verinnerlichen brauche ich wohl noch etwas Zeit 🙂

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Von Schleswig-Hostein über Berlin nach München. Seit 2012 Hundebesitzerin.

Kommentare: 2

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  • Anja und Lucy, Permalink

    Also, Lucy bekommt ja ständig was vom Tisch.
    Warum? Weil ich ihrem Blick einfach nicht widerstehen kann.
    Wie ich mir so einen so einen Schnitzer erlauben kann, wo es doch so gar nicht in die gute Hundeerziehung passt? Tja, das hat zwei Gründe.
    Erstens, Lucy kennt trotz allem die Grenzen. Kein Diebstahl von Wurstbroten vom Sofatisch, auch wenn ich noch mal eben in der Küche verschwinde.
    Zweitens, wenn es drauf ankommt wird sich auf Fingerzeig zurückgezogen, damit sich Gäste oder ein genervtes Herrchen nicht bedrängt fühlen.
    Dafür gibt es dann beim nächsten Essen auch wieder was vom Käsebrötchen ab. 😉

    Liebe Grüße, Anja und Lucy

    • Andy, Permalink

      Super. Ich glaube, dass man dann auch im „darf vom Tisch“ konsequent sein sollte. Wenn man heute erlaubt und morgen betteln das schlimmste Verbrechen auf der Welt, dann ist das auch schwierig. Es ist auch nicht inkonsequent, solange man „du darfst“ konsequent durchzieht 🙂 Nur ungesunde Speisen sollte man nun nicht füttern. Schoki, Weintrauben etc pp 🙂