Schlechter Hundebesitzer

Ich bin ein schlechter Hundebesitzer!

Ich bin ehrlich gesagt genervt. Und auch Entsetzt. Wobei ich mich selbst frage, warum ich noch entsetzt bin, da mich bei vielen Begegnungen mit  Hundebesitzern eigentlich schon nichts mehr wundert. Aber manchmal wundere auch ich mich noch – und das im mondänen München, wo hier doch alle immer so viel auf sich halten und so korrekt sind. Was da nicht ins heile Stadtbild passt sind da einige Hundehalter. Aber irgendwie ist München überall.

Joggerin trifft Hundebesitzer

Neulich war es mal wieder soweit: Ich traf einen meiner Lieblings-Hundebesitzer im Bavariapark. Eigentlich hörte ich ihn schon, bevor ich ihn sah „Nehmen Sie den Hund weg“ hörte ich es hinter einer Wegbiegung. „Der tut nix!“ sagte der Besitzer dessen Hundes immer mit aufgestellten Schwanz und Bürste durch die Gegend läuft und auch schon mal beim Spielen mit anderen Hunden nah an meinem angeleinten Hund vorbei läuft und versucht ihn zu zwicken. „Ich wurde aber schon mal gebissen“ sagte eine Joggerin.

„Gebissen“ war mein Stichwort – denn das wurde ich auch schon von einem „Tut nix“. Ich sagte zu meinem Lieblings-Hundebesitzer „Ich finde die Dame hat Recht“. „Was sie nicht alles finden“ sagte der Hundebesitzer. „Ja, ich finde dass Sie mit ihrem Hund sowieso Rücksichtslos sind!“

Der „Hundeversteher“

Genau das war er. Der Mann hatte offenbar keine Ahnung, was sein Hund ausstrahlte. Nämlich „Mach keinen Muchs, sonst knallts“. Das „Gespräch“ ging noch ein wenig weiter. Und zwar als der gute Herr einen Stock warf, Fiete und ich nur ein paar Meter entfernt. Genau das meinte ich mit Rücksichtslos. So ein Stock – seinerseits Ressource für den Hund – schreit förmlich nach Konflikt, wenn zwei Hunde, die sich nicht kennen, um ihn buhlen. Dies schien der Herr aber nicht zu bemerken. Und entgegnete mit sowas wie „Die klären das unter sich“. Letztendlich endete die Unterredung mit „Wie lange haben Sie eigentlich schon Hunde?“ Ich wüsste nicht was ihn das anginge. Und: „Ihre Hunde können einem Leid tun“ Plural? Der Herr schien schon doppelt gesehen zu haben – ich sah nur Fiete und wenn ich ihn anschaue ist er nur ein Hund.

Ich bin gerne ein schlechter Hundebesitzer!

Oh ja. Und wie mein Hund einem Leid tun kann. Er ist nämlich bestens erzogen, bekommt bestes Futter, hat Sozialkontakt mit den Hunden mit denen ich es für richtig halte, dass er Sozialkontakt hat (und dazu gehören keine Pöbler, keine Rempler und keine Hunde deren Besitzer sich Mitmenschen gegenüber benehmen wie die Axt im Walde). Und wenn ich ein schlechter Hundebesitzer bin, weil ich auf Jogger, Radfahrer, andere Hundebesitzer, Muttis mit Kindern und was sich sonst noch so mit mir und meinem Hund den öffentlichen Raum teilt Rücksicht nehme, weil ich die Scheiße meines Hundes auf der Straße und im Park wegräume und weil ich meinen Hund nicht alleine durch den Park stromern lasse – so wie es hier offenbar total „hip“ ist –  dann bin ich eben ein schlechter Hundebesitzer. Und ich bin gerne ein schlechter Hundebesitzer, dessen Hund einem Leid tun kann  🙂

 

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Von Schleswig-Hostein über Berlin nach München. Seit 2012 Hundebesitzerin.

Kommentare: 3

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  • Regina Schulze, Permalink

    Sei gegrüßt =)
    Diese Hundeversteher habe ich am Liebsten! Mit denen kann man diskutieren was man will, sie halten an ihrer „falschen“ Meinung fest und schaden damit nicht nur ihrem Hund sondern auch ihren Mitmenschen.

    Anders herum ist es natürlich genauso toll! Wenn keine Rücksichtnahme auf das Tier erfolgt. Ich habe zum Beispiel eine Pflegehündin welche panisch zu mir kam und um jeden anderen Menschen einen Bogen gemacht hat. Wenn man da nun darum bittet das der Hund eben nicht mit gutgemeintem „Ach du Süße kleine komm doch mal her, putputput“ angelockt wird, weil es ihn eben wieder unter Druck setzt, darf man sich sonst was für Geschichten über die jahrelange Hundehaltung dieser Menschen anhören und wie besitzergreifend man soch handelt wenn man den Hund nicht mit anderen „spielen“ lässt. Das es ein panischer Hund, der geschlagen und falsch gehalten wurde sicher nicht als „Spiel“ versteht wenn man ihm nachrennt und brüllt begreift niemand. Egal wie schnell sie dann davon läuft und die Rute dabei einklemmt.
    Allgemeine Ausrede: „Na sehen sie wenn sie ihrem Hund nicht beibringen!“. Da könnte ich platzen!

    LG und danke für den Artikel
    Regina und ihre Nasen Kowalski und Noa

  • Abby, Permalink

    Hallöchen,
    achja so super Schlaue… So einen hab ich direkt noch nicht getroffen… Vielleicht traut sich das auch einfach keiner weil wir auch Rücksicht nehmen und ich mich immer Hinsetzen soll wenn eine der genannten Personen kommt…

    Auf jeden Fall bist du kein schlechter Hundehalter, sondern einer, der dafür sorgt, dass wir wieder ein besseres Bild in der Öffentlichkeit bekommen.

    Liebe Grüße Abby

    • Andy, Permalink

      Ja, leider sind dann nämlich „alle“ Hundehalter Egoisten, denn wenn einer den Hundekot liegen lässt oder einer seinen Hund Jogger belästigen lässt, dann werden alle Hundehalter über einen Kamm geschoren 🙁 Aber gut, dagegen kann man wohl nichts machen. Hier herrscht Leinpflicht aber das Kreisverwaltungsreferat München schert sich nicht um die Anzeigen die man aufgibt. Schade, denn das haben sie großmündig versprochen.